Reinigungskraft säubert eine hohe Glasfassade mit einer Teleskopstange vor einem Verwaltungsgebäude
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Branchenwissen

Glasreinigung ausschreiben: eigenes Los, eigener Zyklus

Losgrundsatz, Aufmaß, Erreichbarkeit, Zyklus: Was ein eigenes Glas-Los in der Ausschreibung enthalten muss, damit Angebote vergleichbar werden.

Purity Team13. August 20269 Min. Lesezeit

Wenn eine Verwaltung Reinigungsleistungen ausschreibt, fällt früh eine Entscheidung, die den späteren Preis, die Vergleichbarkeit der Angebote und den Betreuungsaufwand stärker prägt als jede einzelne Formulierung im Leistungsverzeichnis: Wird die Glasreinigung gemeinsam mit der Unterhaltsreinigung vergeben oder als eigenes Los? Die Praxis öffentlicher Auftraggeber beantwortet das überwiegend mit einem getrennten Glas-Los.

Dieser Beitrag erklärt, warum das keine Gewohnheit ist, sondern der Sache und dem Losgrundsatz folgt, und was ein solches Los enthalten muss, damit die eingehenden Angebote überhaupt gegeneinander gestellt werden können. Der Blick ist bewusst der der Vergabestelle: Losbildung, Mengengerüst, Preisblatt, Wertung. Welcher Turnus für welche Scheibe der richtige ist, ist eine andere Frage und gehört an eine andere Stelle.

Zwei Leistungen, zwei Kalkulationsgrundlagen

Unterhaltsreinigung und Glasreinigung sehen aus der Entfernung nach derselben Branche aus, werden aber vollkommen unterschiedlich gerechnet. Die Unterhaltsreinigung entsteht aus Raumflächen je Raumart, einer Frequenz und einem Leistungswert; sie bindet Personal, das dauerhaft und in festem Rhythmus im Objekt arbeitet. Die Glasreinigung entsteht aus einem Aufmaß von Glaseinheiten und der Frage, wie diese Einheiten erreichbar sind; sie bindet eine Kolonne, die zu wenigen Terminen im Jahr anreist und Technik mitbringt.

MerkmalUnterhaltsreinigungGlas- und Fensterreinigung
MengengerüstBodenflächen je RaumartGlaseinheiten oder Glasfläche laut Aufmaß
Wichtigster PreistreiberFrequenz und LeistungswertErreichbarkeit und Höhe
AusrüstungReinigungswagen, BodenmaschinenOsmose- und Teleskoptechnik, Steig- und Hubtechnik
Personaleinsatzfeste Kräfte im Objektanreisende Kolonne zu festen Terminen
Abrechnunglaufende PauschaleEinheitspreise je Durchgang

Wer beides in eine Monatspauschale schiebt, mischt zwei Rechenwerke und verliert genau die Position, an der später gestritten wird. Getrennte Lose halten die Kalkulation offen.

Was das Vergaberecht zur Losbildung vorgibt

Für Vergaben oberhalb der EU-Schwellenwerte steht die Regel seit dem 1. Juli 2026 in § 97a des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen unter der Überschrift Losgrundsatz. Sie ist knapp: Leistungen sind in der Menge aufgeteilt, also in Teillosen, und getrennt nach Art oder Fachgebiet, also in Fachlosen, zu vergeben. Zuvor stand dieselbe Vorgabe in § 97 Absatz 4; dort findet sich weiterhin der Grundsatz, dass mittelständische Interessen vornehmlich zu berücksichtigen sind. Die Aufteilung ist damit der gesetzliche Regelfall, die Zusammenfassung die begründungsbedürftige Ausnahme.

Unterhalb der Schwellenwerte gilt diese Norm nicht unmittelbar. Dort richtet sich das Verfahren nach dem, was Bund und Länder jeweils in Kraft gesetzt haben, vielfach die Unterschwellenvergabeordnung mit einer inhaltlich ähnlichen Losregelung, ergänzt durch Landes- und Kommunalrecht sowie die eigene Vergabedienstanweisung. Was für Ihre Stelle verbindlich ist, klärt die zuständige Rechts- oder Vergabeabteilung. Dieser Beitrag ordnet ein und ersetzt keine rechtliche Prüfung.

Glasreinigung als Fachlos: die Rechtsprechung und ihre Grenze

Ob Glasreinigung ein eigenes Fachlos bildet, war Gegenstand mehrerer Nachprüfungsverfahren. Die Oberlandesgerichte Düsseldorf und Koblenz haben im Jahr 2012 entschieden, dass die Glasreinigung ein eigenständiges Fachlos darstellt; tragend war die Feststellung, dass sich der Markt organisatorisch und im Auftritt in zwei Bereiche teilt. Diese Linie ist in der Fachliteratur nicht unwidersprochen geblieben, und sie ersetzt keine Prüfung des konkreten Auftrags. Als Ausgangspunkt für die eigene Abwägung ist sie belastbar.

Die Ausnahme steht im Gesetz selbst: Mehrere Teil- oder Fachlose dürfen zusammen vergeben werden, wenn wirtschaftliche oder technische Gründe dies erfordern. Praktisch diskutiert wird das vor allem dort, wo der Glasanteil im Verhältnis zum Gesamtauftrag verschwindend klein ist und ein eigenes Verfahren außer Verhältnis stünde. Wer sich darauf stützt, sollte die Abwägung im Vergabevermerk nachvollziehbar festhalten, statt sie vorauszusetzen. Die 2026 ergänzten Erleichterungen für bestimmte Infrastrukturvorhaben betreffen Reinigungsleistungen nicht.

Ohne Aufmaß gibt es kein prüfbares Angebot

Das Herzstück eines Glas-Loses ist das Mengengerüst. Es muss vom Auftraggeber kommen, nicht vom Bieter, sonst rechnet jedes Angebot mit einer anderen Menge. In das Aufmaß gehören:

  • Eine Zählgröße, die durchgehalten wird: entweder Glasfläche in Quadratmetern oder Einheiten nach definierter Zählweise, nicht beides gemischt.
  • Innen- und Außenseite getrennt ausgewiesen, weil sich Aufwand und Zugang unterscheiden.
  • Rahmen, Falze und Fensterbänke je Position ja oder nein, statt als stillschweigende Erwartung.
  • Sonderverglasung eigens erfasst: Oberlichter, Glasdächer, Lichtkuppeln, Glastrennwände, Ganzglastüren, Vitrinen, Fassadenverglasung.
  • Gliederung nach Liegenschaft, Gebäudeteil und Geschoss, damit Teilkündigungen und Objektwechsel abbildbar bleiben.
  • Stichtag des Bestands und eine Regelung für Mengenänderungen durch Anbau, Abriss oder Nutzungsänderung.

Ein Pauschalpreis ohne dieses Gerüst ist nicht unseriös, aber er ist nicht prüfbar: Sie erfahren nicht, welche Menge der Bieter unterstellt hat. Die späteren Nachträge entstehen dann selten aus bösem Willen, sondern aus einer Lücke, die die Ausschreibung offengelassen hat.

Erreichbarkeit und Hilfsmittel sind der eigentliche Preistreiber

Bei Glas kostet dieselbe Scheibe ein Vielfaches, je nachdem, wie man an sie herankommt. Deshalb gehört die Zugangssituation in die Leistungsbeschreibung, und zwar positionsscharf:

  • Höhenlage je Position: vom Boden erreichbar, mit Teleskop- und Osmosetechnik erreichbar, oder nur mit Steig- beziehungsweise Hubtechnik.
  • Standflächen im Außenbereich: Tragfähigkeit, Zufahrt, Bepflanzung, Hanglage, notwendige Absperrung oder Verkehrssicherung.
  • Wer Hubarbeitsbühne oder Gerüst stellt und bezahlt, und wer die Sperrung der Fläche organisiert.
  • Vorhandene bauliche Sicherung: Anschlagpunkte, Sekuranten, Geländer, samt gültiger Prüfnachweise.
  • Entnahmestellen für Wasser und Strom, ohne die eine Osmoseanlage nicht arbeitet.
  • Zeitfenster: Nutzungszeiten, Publikumsverkehr, Betriebsruhe, Ferien, feste Veranstaltungstermine.

Fehlen diese Angaben, kalkuliert der vorsichtige Bieter einen Risikoaufschlag und der unvorsichtige gar nichts. Beide Angebote sind unbrauchbar, nur merken Sie es beim zweiten erst im Betrieb.

Der Zyklus gehört ins Los, differenziert nach Objektart

Ein Glas-Los mit einem einzigen Turnus über alle Liegenschaften erzeugt entweder unnötige Durchgänge oder Beschwerden. Tragfähiger ist die Gliederung in Objektgruppen mit jeweils eigenem Zyklus, den der Auftraggeber nach Nutzung, Bedeutung der Flächen und Budget selbst festlegt: Publikums- und Eingangsbereiche werden anders behandelt als Nebengebäude, Sporthallen anders als Verwaltungstrakte, Werkstätten anders als Sitzungssäle.

Entscheidend ist die Trennung von Grundleistung und Bedarf. Die regelmäßigen Durchgänge werden als feste Menge ausgeschrieben. Alles Anlassbezogene, etwa zusätzliche Durchgänge, Reinigung nach Sanierungsarbeiten oder nach Veranstaltungen, wird als Bedarfsposition mit eigenem Einheitspreis ausgewiesen, ergänzt um Abrufregeln, Vorlauffristen und die Frage, wer den Abruf auslösen darf. So kennen Sie den Preis für den Zusatzfall, bevor er eintritt.

So werden die Angebote vergleichbar

Vergleichbarkeit entsteht nicht in der Wertung, sondern in den Vergabeunterlagen. Fünf Stellschrauben wirken erfahrungsgemäß am stärksten. Erstens: Geben Sie das Preisblatt vor, mit fester Positionsstruktur, in die der Bieter nur Preise einträgt. Zweitens: Verlangen Sie Einheitspreise je Position statt einer Objektpauschale, damit sich Teilmengen später sauber ändern lassen.

Drittens: Rechnen Sie Bedarfspositionen mit einer fiktiven Wertungsmenge in die Wertungssumme ein, sonst werden sie mit Fantasiepreisen belegt. Viertens: Fragen Sie die Eignung passend zum Los ab, also Erfahrung in Höhen- und Sonderreinigung, Unterweisung zur persönlichen Schutzausrüstung gegen Absturz und Nachweise für die eingesetzte Steig- und Hubtechnik. Fünftens: Klären Sie auffällig niedrige Angebote auf, indem Sie nach den kalkulierten Stunden je Durchgang und der Kolonnenstärke fragen. Die Antwort darauf ist aussagekräftiger als jede Endsumme.

Das Glas-Los in der Region vergeben

Für Auftraggeber in Singen, Konstanz, Stockach, Engen, Radolfzell und im übrigen Hegau kommt ein praktischer Punkt hinzu: Ein Glas-Los besteht aus wenigen, terminierten Einsätzen im Jahr, die zu Ferien, Veranstaltungen und Nutzungszeiten passen müssen. Ein Bieter aus der Region kann ein verschobenes Fenster kurzfristig neu belegen, ohne dass ein ganzer Durchgang ausfällt.

Purity Gebäudereinigung mit Sitz in Mühlhausen-Ehingen bearbeitet Glas- und Fensterreinigung als eigenständige Leistung, arbeitet mit Osmose- und Teleskoptechnik und gibt eine Festpreisgarantie auf die vereinbarten Einheitspreise. Den Leistungsumfang finden Sie in der Übersicht der Leistungen, den regionalen Bezug beispielhaft auf der Seite zur Fensterreinigung in Singen. Für Rückfragen zum Aufmaß oder zu einer Ortsbesichtigung nutzen Sie das Kontaktformular, weitere Beiträge zu Vergabe und Leistungsverzeichnis stehen im Blog.

Häufige Fragen

Muss Glasreinigung zwingend als eigenes Los ausgeschrieben werden?

Der Losgrundsatz macht die getrennte Vergabe nach Fachgebiet zum Regelfall, die Zusammenfassung zur Ausnahme, die wirtschaftliche oder technische Gründe erfordert. Oberlandesgerichte haben Glasreinigung als eigenständiges Fachlos eingeordnet. Ob das für Ihren Auftrag gilt, ist eine Einzelfallabwägung, die dokumentiert werden sollte; unterhalb der Schwellenwerte kommt es zusätzlich auf das jeweils eingeführte Landes- und Kommunalrecht an.

Warum reicht ein Pauschalpreis für die Glasreinigung nicht aus?

Weil er keine Menge offenlegt. Ohne Aufmaß mit getrennter Innen- und Außenseite, Angabe zu Rahmen und Fensterbänken und einer Zuordnung der Erreichbarkeit rechnet jeder Bieter mit eigenen Annahmen. Die Angebote sehen dann vergleichbar aus, beschreiben aber unterschiedliche Aufgaben.

Wer stellt bei schwer erreichbaren Glasflächen die Hubarbeitsbühne?

Beide Varianten sind vertretbar, Beistellung durch den Auftraggeber oder Gestellung durch den Auftragnehmer. Entscheidend ist, dass die Ausschreibung es festlegt, samt Standfläche, Zufahrt und Verantwortung für Absperrung. Sonst kalkuliert ein Teil des Bieterfelds die Technik ein und der andere nicht.

Wie verhindert man überhöhte Preise bei Bedarfspositionen?

Indem Bedarfspositionen mit einer vorab bekannt gegebenen fiktiven Menge in die Wertungssumme eingehen und die Einheitspreise für die Vertragslaufzeit verbindlich bleiben. Werden sie nicht gewertet, sind sie für den Bieter ein risikoloser Ort für hohe Preise.

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Purity erstellt transparente Angebote für Fensterreinigung, Unterhaltsreinigung, Steinreinigung, Bauendreinigung und weitere Leistungen in der Bodenseeregion.

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